Zeltlager, Polizeieinsätze, antisemitische Sprüche: Die Gazakrieg-Proteste spalten die US-Universitäten. Ein Besuch an der Columbia in New York.
Pro-palästinensische Aktivist:innen protestieren am 22. April auf dem Campus der Columbia Universität Foto: John Angelillo/upi/imago
Die Protestierenden forderten ein Ende der Zusammenarbeit der Columbia mit Unternehmen, die die israelische Kriegsführung in Gaza unterstützen – auch akademische Beziehungen mit der Universität in Tel Aviv sollten beendet werden, solange diese nicht palästinensische Studierende aus dem Westjordanland und Gaza annehme.
Auch an der Yale-Universität in New Haven und an der New-York-Universität im unteren Teil Manhattans gab es bei Protesten in den vergangenen Tagen Polizeieinsätze und Verhaftungen. Am Montag wurde der Unterricht an der Columbia nur online abgehalten, dann auf Hybrid umgestellt – eine Alternative für Studierende, die sich auf dem Campus nicht sicher fühlen.
Politische Spielbälle Am Mittwoch scheint die Sonne, auf dem Campus wuseln Studierende zwischen der Zeltwiese und den Bibliotheken mit ihren korinthischen Säulen umher. Sie verteilen Reis, Falafel und Teigtaschen mit Spinat. Es wird gequatscht und gelacht, Palästina-Fahnen flattern im Wind. An diesem Nachmittag erinnert das neu errichtete Zeltlager eher an ein Hippiefestival. Wie eine Brutstätte des Extremismus wirkt es erst einmal nicht.
Khalil deutet auf die Treppen vor der großen Bibliothek. Eine Menschenmasse hat sich dort versammelt, der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses Mike Johnson, ein trumpnaher Republikaner, hält dort gerade unter Buhrufen eine Rede. 15 Studierende mussten daraufhin im Krankenhaus behandelt werden. Die Uni-Leitung setzte alles daran, den Angriff auf die „unangemeldete propalästinensische Demonstration“ herunterzuspielen, ohne die israelischen Fahnen der Protestierenden auch nur zu erwähnen.
Der Präsident der Universität musste daraufhin zurücktreten. Der Ruf der Uni litt und diese reagierte darauf mit Reformen, die Freiräume für Aktivismus der Studierenden sicher stellen sollte. Der Druck auf die jetzige Uni-Präsidentin Shafik ist auch deshalb so hoch. Und er wächst weiter von allen Seiten. Radikalere Stimmen, die im US-Wahlkampf Stimmung machen wollen, gießen von außen Öl ins Feuer.
Jemand aus der Menge fragt, warum das Protestcamp die antisemitischen Slogans der vergangenen Tage nicht öffentlich verurteilt habe. Vor dem Campusgelände hatte jemand einer jüdischen Gruppe zugeschrien: „Geht doch zurück nach Polen.“ In den sozialen Medien kursiert ein Video,in dem eine mit Palästinensertuch vermummte Demonstrantin vor proisraelischen Demonstranten steht und ein Plakat in die Menge hält. Darauf steht. „Al Qassams nächstes Ziel“.
Die Gesprächsrunde verläuft höflich, im „safe space“ und ohne jede größere Konfrontation. Allerdings auch ohne kontroverse Themen wirklich auszuhandeln. Aharon ist in einer jüdischen Siedlung bei Jerusalem aufgewachsen. Heute ist er orthodox und links. Er steht vor dem Eingang zum Protestlager, neben ihm seine Mitbewohnerin, die bei all seinen Worten zustimmend nickt. Aharon leitet die Campus-Initiative „Jews for Ceasefire“ und arbeitet eng mit dem propalästinensischen Protestcamp zusammen, auch wenn er nicht dazugehört.
Sharif trägt eine Kufija um seinen Kopf gewickelt, einen dichten schwarzen Bart und auch im Dunkeln noch eine schwarze Sonnenbrille, was ihn cool, aber auch ziemlich unnahbar erscheinen lässt. Er stammt aus einer ägyptischen Familie und wuchs in New Jersey auf, seit Jahren organisiert er Proteste. Bei diesem hier ist er verantwortlich für die Zusammenarbeit mit der Presse.
Widerspricht man ihm, dann verliert er das Interesse am Gespräch, wird wortkarg, muss plötzlich gehen, spät sei es schon. Allie ist in einer jüdischen und zionistischen Jugendbewegung aufgewachsen. Seit sie zurückdenken kann, beschäftigt sie sich als amerikanische Jüdin mit Israel. „Ja, vielleicht einseitig, aber trotzdem. All diese Protestierenden sind mit dem Krieg über Nacht Nahostexperten geworden und wissen jetzt über die Komplexität dort Bescheid?“
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