City Transformer will den Kabinenroller mit ausfahrbaren Rädern neu erfinden. Doch vom Gesetz werden große SUVs bevorzugt.
Audi urban concept - war das nicht ein Zweisitzer im Zwergformat aus dem Jahr 2011? Die windschlüpfrige Raupe hat sich jüngst als kolossaler Zeppelin entpuppt: 5,5 Meter lang und 3,5 Tonnen schwer ist das Urbansphere Concept. Audi preist das Luxus-Trumm dennoch als visionäre Lösung für die Stadt.
Die"neue Ära der Mikromobilität" - von Umweltverbänden immer wieder gefordert - kam nie richtig in die Gänge. Nach einem Vierteljahrhundert voller Verluste zog Daimler 2019 den Stecker: Bei einer Auflage von 100 000 Stück pro Jahr lohnt sich zwar eine S-Klasse, aber kein Parkplatzwunder mit Mikro-Marge. Jetzt haben BMW und Mercedes auch das entsprechende Carsharing-Projekt beerdigt. Der französische Autokonzern Stellantis soll Share Now übernehmen.
Viele Vorschusslorbeeren also. Die erste Testfahrt mit dem 2,50 Meter kurzen Mikromobil in München dämpft die Euphorie aber empfindlich. Klar, ein klappriger Prototyp ist noch kein ausgefeiltes Serienprodukt. Aber die Sitzposition hintereinander in der hautengen Kabine ist definitiv nichts für Klaustrophobiker. Auch der Komfort ist Holzklasse, wer sich hinter dem Fahrer einfädeln muss, sollte mit Rücksicht auf seine Knie nicht älter als zehn Jahre sein.
Dabei sind die Vorzüge für das Verkehrssystem unbestreitbar: Der Elektro-Kabinenroller verbindet null lokale Emissionen mit einem niedrigen Geräuschpegel und dem Parkplatzbedarf eines größeren Zweirads. Mit solchen Mikromobilen ließe sich die Parkplatzsuche abkürzen, die etwa ein Drittel des Verkehrs in Großstädten ausmacht. Offen bleibt, wie man Kunden für den Umstieg in solche überdachten Elektro-Tandems mit Quad-Zulassung gewinnen kann.